Die kleinen Szenen am Rande.

Es ist immer schön, wenn sie in meinen Garten kommen, meine Schülerinnen und Schüler. Wenn sie Salate anschleppen und Grillgut, meine Küche verwüsten, weil sie noch Baguette mit Kräuterbutter aufbacken müssen, stundenlang den Hund kraulen und neugierig um die Ecken gucken. Sie haben dann manchmal doch am Ende das Besteck vergessen und brauchen noch ein großes Messer oder die eine oder andere Schüssel.
Mindestens einer muss immer eine Festansprache halten, jemand anderes eine Gitarre mitbringen und alle mit anpacken.
Es wird gegrillt, Stockbrot gebacken, gesungen, diskutiert, und wir haben immer viel Spaß.
Man kann das hinterher auf der Schulhomepage nachlesen und ein paar Bilder anschauen. Auch so kann Schule sein.

Vorgestern waren sie wieder da. Ungefähr fünfunddreißig junge Leute, weshalb es damit anfing, dass sie aus meinem Schuppen allerlei Tische und Stühle heraus schleppen mussten, damit jeder Platz fand. Ich entschuldigte mich ein bisschen dafür, dass es in meinem Nebengebäude ziemlich unordentlich ist. Noah allerdings wandte ein: „Alle Menschen haben Schuppen, in denen es unordentlich ist.“ Das stimmt zwar nicht ganz, denn manche haben keine Schuppen, und andere haben die totale Ordnung, aber ich fand es sehr großzügig und nett von Noah, mich auf diese Weise zu entlasten.

Im Laufe des Abends kamen einzelne auf mich zu und fragten artig, ob sie mal sehen dürften, wo ich Goethes „Faust“ an der Wand hängen hätte. Dann gingen sie suchen und gar nicht immer finden. Goethes großes Drama hatten wir im Winter zusammen gelesen. Nun streiften sie also durch meine Wohnräume und guckten.

Kirsten brachte nicht nur ihre Gitarre mit. Sie hatte auch Liedzettel kopiert.
Richard und Sönke hielten launige Festreden, aus denen Rückblick und Ausblick sprachen.
Und sie brachten mir Blumen mit, rot, orange und pink, wie ein leuchtender schöner Abend. Das hatten sie sich alle zusammen irgendwie ausgedacht.

Etwas später, als man von allen Seiten Stockbrot über das Feuer hielt, sah ich durch Zufall, dass mein Hund sich gerade eine Kartoffel in Alufolie einzuverleiben im Begriff war. Ich war schon halb in Bewegung, als ich beobachtete, wie Jessica das Tier kurzerhand zu sich rief und ihm die ganze Sache vorsichtig aus dem Maul nahm. Einfach so. Unkompliziert, wachsam, furchtlos und verantwortungsvoll.

Dafür liebe ich sie so sehr, meine braunbeinigen Ostfriesenkinder. Sie machen an jedem Feuer eine gute Figur. Aber Goethe kann man mit ihnen auch lesen.

Schönes Leben.

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