Lesen und genesen

Foto am 17.11.13 um 14.08

Lesen und gelesen werden.
Vor allem aber werden.
Immer weiter und immer neu werden.

Ohne die nachfolgend genannten Autoren wäre meine Menschwerdung völlig anders verlaufen:

Rainer Maria Rilke – Niemand kann Buchstaben so perlen und flirren lassen wie er, zittern, sinken oder auferstehen. Ein komplizierter Mensch. Der Größte unter den Dichtern.

Heinrich von Kleist – danke für „Penthesilea“ und „Die Marquise von O…“.

Johann Wolfgang von Goethe – der ganz Große. Der Titan. Ein bisschen saturiert vielleicht und im behäbigsten Sinne bildungsbürgerlich, aber doch auch ein großer Liebender, Leidender und Forscher, immer auf der Suche nach den richtigen Versen für so viele Momente. „Warum gabst du uns die tiefen Blicke …?“ Irgendjemand musste das schließlich mal fragen, oder etwa nicht? Sein „Faust“ ist das unvergleichliche zeitlose Kunststück zum Auswendigleben. Was täte ich ohne ihn? (Deswegen hängt er ja auch als Volltext in meinem Wohnzimmer.)

Alice Miller – Am Anfang war Erziehung. Ja ja. Ihr verdanke ich multiple Einsichten in die Gründe und Abgründe menschlichen Befindens und Verhaltens.

Sándor Márai – ein großartiger Erzähler. Wie mit der Lupe leuchtet er kurze Zeiträume akribisch und wunderbar aus. Das ist vollkommen zeitlos und jederzeit von jedem lesbar.

Wolfgang Herrndorf, der nicht nur ein begnadeter Schriftsteller und ein beeindruckender Mensch war, sondern auch ein wunderbarer Maler und Grafiker. Ich wünschte, ihm wäre mehr Leben geblieben.

Jonathan Franzen – Zwar bringt der Titel seines grandiosen Romans „Die Korrekturen“ unweigerlich mit sich, dass ich mich frage, ob ich überhaupt die Zeit zum Lesen habe oder nicht doch noch was arbeiten muss, aber gelesen habe ich ihn dann doch. Gute Unterhaltung auf hohem Niveau. Dabei erschütternd wahrhaftig.

Florian Illies ist bestimmt nicht einer meiner liebsten Autoren, aber hat „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“ geschrieben, eine wunderbar aufschlussreiche Collage zum Vorabend des Ersten Weltkrieges. Von Januar bis Dezember trägt er Brocken und Fetzen, Versatzstücke und Zitate zusammen, die zeigen, was die ganz Großen in der Musik, Kunst und Literatur sowie auch der Politik in diesem Jahr beschäftigt hat. Mal war es ein Husten, die Briefe an die Verlobte, der Kauf eines Hauses, das Ringen mit einem bedeutenden Werk, immer der Zweifel, Kinder und Kosten, Politik oder der ewige Jammer mit der Liebe. Überaus lesenswert und für jede längere Autofahrt als Hörbuch zu Wiederholungszwecken ein Muss.

T.A. WegbergAutor, Lektor und Freund. Jordan lese ich nicht nur sehr gern, sondern wir arbeiten auch zusammen. Nicht zuletzt verdanke ich ihm die Gründung der legendären Bestseller-WG. Seine lakonische Schreibe sucht ihresgleichen, aber noch besser finde ich den empathischen Grundton, den er gegenüber (fast) allen seinen Figuren an den Tag legt.

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