In Freundschaft.

20151121002948

Mein Haus spiegelt sich im Autofenster der Freundin, als diese am Morgen aufbricht. Wir haben zusammen gearbeitet, gegessen, getrunken und dann einen ganzen langen Abend lang am Kaminfeuer manches Wichtige und Aktuelle von allen Seiten gemeinsam betrachtet, besprochen, darüber gelacht. (Gar nicht so selten.)
Wir haben ihn erreicht und errungen, diesen freundlichen, milden Blick auf die Dinge unseres Lebens, selbst wenn uns diese manchmal einiges abverlangen, an Schmerz und Geduld und Anstrengung. Wir werden nicht jünger, und viele Züge sind mittlerweile abgefahren. Wir wissen das.
Aber waren wir jemals glücklicher? Vollständiger? Uns selbst näher als in solchen Momenten wie jetzt?
Alte Schachteln sind wir geworden, jenseits der Lebensmitte vermutlich. Aber haben wir schon je zuvor vom Rotwein mit solcher Andacht getrunken wie heute? Und vom Abend?

Wir verstehen uns gut.
Das ist kostbar.
Viele Menschen, die ich kenne, verstehen mich gar nicht gut. Oder gar nicht. Ich kann auch manches nicht verstehen.
Aber meine Freundin. Die verstehe ich meistens. Manchmal, noch bevor sie sich selbst begreift.
Und das, obwohl wir so unterschiedlich sind. Aber auch das haben wir gelernt. Dass Unterschiedlichkeiten nicht trennen müssen, so lange wir die Liebe haben, Großmut und weit geöffnete Herzen. Unser Lachen. (Das könnte die Welt von uns lernen und sich am besten mal merken.)
Als meine Freundin losfährt, nach einem schnellen Küchenkaffee mit Gartenblick, spiegelt sich mein Haus in den Fensterscheiben ihres Autos. Wir fotografieren. Und dann kratzen wir die Scheiben frei. Den freien Blick sichern. Und das Schöne lieben.

Meine Freundin und ich.
Was für ein Glück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert