Ökologischer Fußabdruck.

Ich kann das nur empfehlen, sagte mein Gemüseverkäufer auf dem Wochenmarkt.
Und ich kann Ihnen das auch ausleihen.
Das tat er, und ich las es.
Das Buch.
Sebastian Fitzeks Roman Noah.
Ich brauchte nur wenige Tage, um das 560-Seiten-Epos zu lesen. Es beschäftigte mich ähnlich intensiv wie zu einer anderen Zeit der alttestamentarische Bericht über Gottes Idee, die Erde zu fluten, weil zu viele Menschen sich nicht seinen Vorstellungen entsprechend verhielten. Wie wir alle wissen, sorgten Noah und seine Familie mit ihrer Arche für den Fortbestand der Arten. Paarweise trabten Elefanten, Affen und Ameisen auf das Schiff. Kann man heute alles für viel Geld als Ostheimer-Figuren kaufen. So richtig angemessen finde ich das von Gott bis heute nicht.
Jedenfalls strickt Fitzek aus diesem Stoff einen atemlosen, aufwühlenden Roman und setzt noch einen drauf, wenn er im Nachwort empfiehlt, doch mal den eigenen ökologischen Fußabdruck errechnen zu lassen.

Ich legte natürlich gleich los. Kein Problem für mich, dachte ich. Ich fahre kaum Auto, unternehme keine Flugreisen, esse kein Fleisch und kaufe die Produkte der Region auf dem Auricher Wochenmarkt. Gefühlt schon eine Öko-Heldin trat ich also an.
Ich mache es kurz: Mein Wert ist 2,9. Das bedeutet, dass es 2,9 Planeten bräuchte, wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden wie ich. Das sind – die Emsigen unter Ihnen haben es bereits errechnet – 1,9 Planeten mehr, als zur Verfügung stehen. Wie kann das sein?
Was mich betrifft, ist es die allzu großzügige Wohnsituation, für ostfriesische Verhältnisse eher bescheiden, aber immerhin. Dazu der Hund, der eben doch Fleisch frisst. Und ganz viel Zeit am Rechner. Das braucht Server-Kapazität. Energie. Ressourcen.
Das muss einem klar sein. Dass, damit ich so leben kann, wie ich es tue und für selbstverständlich halte, irgendwo auf der Welt eine Menge Leute deutlich unter diesem Wohlstandsniveau bleiben.
Wenn man in Deutschland lebt, kann man gar nicht unter 1,0 kommen, sagt die Internetseite, denn logischerweise wird die Infrastruktur, die wir alle mitbenutzen, auf uns umgelegt. Straßen, Schwimmbäder, Telefonleitungen, sowas alles.
Einige meiner Schüler sind meiner Empfehlung gefolgt und haben ihren Footprint ausgerechnet. Viele kommen über 6,0, weil sie viel Auto fahren und in den Urlaub fliegen.
Eine meiner Schülerinnen hat jetzt Fitzeks Roman gelesen. Sie will eine Facharbeit darüber schreiben, die ich betreuen soll.

Fitzek hat uns zu denken gegeben.
So soll es sein.

 

 

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